Schock am Briefkasten: Das Finanzamt will 10.000 Euro Nachzahlung – sofort! So rettest du deinen Hals (und deine Firma)
Da ist er wieder. Dieser Moment, in dem dir das Herz in die Hose rutscht.
Du kommst gut gelaunt vom Sport oder Einkauf, öffnest den Briefkasten und da liegt er: Der Steuerbescheid.
Du reißt ihn auf, überfliegst die Zahlenkolonnen, suchst nach dem Wort „Erstattung“ – findest aber stattdessen: „Bitte zahlen Sie bis zum [Datum in 2 Wochen]: 12.450,30 Euro.“
Bamm.
Schlagartig wird dir heiß und kalt. Du checkst deinen Kontostand. 3.000 Euro. Verdammt.
Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. In meinen ersten Jahren als Freiberufler hat mich das Finanzamt mal so eiskalt erwischt, dass ich fast den Laden dicht machen musste. Einkommensteuer-Nachzahlung plus saftige Vorauszahlungen für das laufende Jahr – alles auf einmal fällig.
Wenn du gerade in genau dieser Situation steckst: Keine Panik! Atme tief durch. Es gibt Wege da raus. Aber du musst jetzt schnell und vor allem richtig handeln. Aussitzen ist keine Option, denn das Finanzamt ist der unangenehmste Gläubiger, den du haben kannst.
Warum das Finanzamt keinen Spaß versteht
Anders als ein Lieferant, den du mal vertrösten kannst, hat der Staat Sonderrechte. Wenn du die Frist verstreichen lässt, fackeln die nicht lange. Da kommt kein Inkassobüro, da kommt die Kontopfändung. Und zwar Ruckzuck.
Wenn dein Geschäftskonto erst mal dicht ist, bist du handlungsunfähig. Keine Miete, keine Überweisungen, kein gar nichts. Das ist der finanzielle Herzinfarkt für jeden Selbstständigen.
Deshalb Regel Nummer 1: Niemals den Kopf in den Sand stecken!
Schritt 1: Der „Erste Hilfe“-Anruf (Stundung)
Bevor du zur Bank rennst, ruf beim Finanzamt an. Ja, wirklich.
Viele Sachbearbeiter sind auch nur Menschen. Wenn du höflich erklärst, dass der Bescheid überraschend kam und du gerade einen Liquiditätsengpass hast, lässt sich oft reden.
Du kannst einen Antrag auf Stundung stellen. Das bedeutet, du bittest darum, die Zahlung später leisten zu dürfen oder in Raten abzustottern.
Der Haken: Das Finanzamt macht das nicht umsonst. Es fallen Zinsen an (aktuell meist 0,5% pro Monat, also 6% im Jahr – das kann sich ändern, ist aber oft günstiger als der Dispo!). Und: Sie verlangen oft „Sicherheitsleistungen“. Zudem musst du eine wirklich gute Begründung haben. „Ich hab das Geld halt ausgegeben“ reicht oft nicht. Aber es verschafft dir Zeit.
Schritt 2: Kredit für Steuerschulden? Vorsicht bei der Kommunikation!
Wenn das Finanzamt „Nein“ zur Ratenzahlung sagt (oder die Raten zu hoch sind), brauchst du externes Geld.
Hier lauert aber eine riesige Falle.
Wenn du zu deiner Hausbank gehst und sagst: „Ich brauche einen Kredit, um meine Steuerschulden zu bezahlen“, dann gehen dort sofort die roten Lampen an.
Warum?
Für Banker sind Steuerschulden ein Warnsignal für schlechtes Management. Sie denken: „Wer seine Steuern nicht plant, hat sein Business nicht im Griff.“ Die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung ist extrem hoch. Außerdem darf die Bank oft gar keine Kredite vergeben, wenn eine Insolvenz droht.
Der Profi-Trick:
Du lügst natürlich nicht. Aber du verpackst es anders.
Beantrage keinen „Kredit für Steuern“, sondern einen Kredit zur Betriebsmittel-Finanzierung oder zur Aufstockung der Liquidität.
Du brauchst Kapital, um flüssig zu bleiben, Waren einzukaufen oder Marketing zu machen – während du aus dem laufenden Cashflow dann eben (indirekt) die Steuern zahlst.
Noch einfacher ist es bei Online-Krediten oder Krediten „zur freien Verwendung“.
Hier fragt niemand explizit, ob du damit einen neuen PC kaufst oder den Fiskus bezahlst. Wichtig ist nur, dass du die Raten bedienen kannst.
Welche Kredit-Art hilft jetzt?
Du brauchst das Geld schnell. Ein Förderkredit der KfW dauert Wochen oder Monate – zu lange für das Zahlungsziel des Finanzamts. Hier sind meine Favoriten für den „Notfall“:
- Der Online-Ratenkredit (Privat):Wenn du als Freiberufler eine gute private Bonität hast, ist das oft der schnellste Weg. Viele Banken (wie ING, DKB etc.) bieten Kredite an, die innerhalb von 2-3 Tagen ausgezahlt werden. Achte darauf, dass Selbstständige akzeptiert werden.
- Spezialisierte Firmenkredite:Fintechs wie Iwoca oder Teylor haben sich genau auf solche kurzfristigen Engpässe spezialisiert. Die Zinsen sind höher als bei der Sparkasse, aber dafür hast du das Geld oft innerhalb von 24 oder 48 Stunden auf dem Konto. In so einer Notsituation ist Schnelligkeit wichtiger als der letzte Zehntel-Prozentpunkt beim Zins.
- Rahmenkredit nutzen:Erinnerst du dich an meinen letzten Artikel? Wenn du schon einen Rahmenkredit hast: Jetzt ist der Moment, ihn zu nutzen! Dafür ist er da.
Die Lehre für die Zukunft: Das 40%-Konto
Wenn der Sturm vorbei ist und die Schuld beglichen ist, versprich mir eins: Lass es nie wieder so weit kommen.
Dieser Stress raubt dir Jahre deines Lebens.
Ich habe mir eine eiserne Regel auferlegt:
Von jedem Geldeingang, egal ob 50 Euro oder 5.000 Euro, überweise ich sofort 30 bis 40% (je nach Steuersatz und Umsatzsteuerpflicht) auf ein separates Tagesgeldkonto.
Dieses Konto ist tabu.
Es existiert für mich gar nicht.
Wenn dann der Steuerbescheid kommt, lächle ich nur müde, überweise das Geld vom Tagesgeldkonto und freue mich über die Zinsen, die ich in der Zwischenzeit sogar noch bekommen habe.
Handeln statt Hoffen
Wenn der Bescheid da ist, läuft die Uhr.
- Datum checken.
- Finanzamt anrufen (Stundung versuchen).
- Wenn das nicht klappt: Sofort Kreditvergleich starten (Verwendungszweck: „Freie Verwendung“ oder „Liquidität“).
Lass dich nicht unterkriegen. Das Finanzamt ist ein Gegner, den man besiegen kann – wenn man die richtigen Waffen hat.
Hattest du schon mal Ärger mit dem Finanzamt oder eine böse Überraschung im Briefkasten? Wie hast du das gelöst? Teil deine Story (gerne anonym) in den Kommentaren, das macht anderen Mut!