Küchentisch vs. WeWork: Warum ich 400 € Miete zahle, obwohl mein Zuhause kostenlos ist (Das Rechenexperiment)
Kennt ihr diesen romantischen Traum vom „Digital Nomad“? Man sitzt mit dem Laptop am Strand oder gemütlich zu Hause auf der Couch, trinkt Latte Macchiato und das Geld fließt herein.
Die Realität sah bei mir anders aus.
Ich saß am Küchentisch. Links von mir ein Berg ungewaschene Wäsche, rechts von mir die Katze, die auf die Tastatur springt. Und wenn der Postbote klingelt, bin ich der Paketannahme-Dienst für das ganze Haus.
Produktives Arbeiten? Fehlanzeige.
Kundentermine? Nur per Zoom, mit einem virtuellen Hintergrund, damit der Kunde das Chaos im Wohnzimmer nicht sieht.
Irgendwann hatte ich den Lagerkoller. Ich brauchte ein Büro.
Aber als ich die Preise für Gewerbeimmobilien in meiner Stadt sah, wurde mir schwindelig. 15 Euro pro Quadratmeter kalt. Plus Nebenkosten. Plus Internet. Plus Reinigungskraft. Und 3 Monate Kaution.
Ich habe mich dann für den Mittelweg entschieden: Coworking.
Ich habe mich bei WeWork (es hätte auch Design Offices oder ein lokaler Space sein können) eingemietet.
Viele meiner Freunde sagten: „Bist du irre? 400 Euro im Monat für einen Schreibtisch? Zu Hause ist es doch umsonst!“
Ist es das wirklich? Ich habe die Rechnung aufgemacht.
Die Lüge vom „kostenlosen“ Homeoffice
Zu Hause zu arbeiten kostet scheinbar nichts. Aber es kostet dich Fokus.
Wenn ich zu Hause arbeite, werde ich im Schnitt alle 30 Minuten abgelenkt. Spülmaschine ausräumen, Wäsche aufhängen, Nachbarin quatschen.
Sagen wir, ich verliere pro Tag 1 Stunde reine Arbeitszeit durch „Home-Kram“.
Bei einem Stundensatz von 80 Euro sind das 80 Euro Verlust pro Tag.
Auf den Monat gerechnet (20 Tage) sind das 1.600 Euro Opportunitätskosten.
Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, aber ihr versteht den Punkt: Zu Hause arbeiten ist nicht effizient.
Das Coworking-Modell: All-Inclusive für Selbstständige
Ich habe mir einen „Fix Desk“ (fester Schreibtisch) in einem Space gemietet.
Kostenpunkt: ca. 400 Euro netto.
Das klingt erst mal viel.
Aber was ist da drin?
- Miete & Nebenkosten: Strom, Heizung, Wasser, Klimaanlage (im Sommer Gold wert!).
- Internet: Standleitung, High-Speed. Kein wackeliges Heim-WLAN.
- Kaffee-Flatrate: Klingt banal, aber als Kaffeesuchti spare ich hier sicher 50 Euro im Monat an Bohnen.
- Reinigung: Jemand leert meinen Mülleimer und putzt das Klo.
- Meetingräume: Ich kann Kunden endlich professionell empfangen. Kein Café mehr, wo es laut ist.
Vergleich: Das eigene Büro
Hätte ich ein eigenes kleines Büro (20qm) gemietet, sähe die Rechnung so aus:
- Kaltmiete: 300 €
- Nebenkosten: 100 €
- Internet (Business-Tarif): 50 €
- Strom: 40 €
- Reinigung: 100 € (Minijobber)
- Kaffee/Wasser: 50 €
- Summe: 640 € monatlich (+ Einrichtungskosten + langfristiger Vertrag).
Das Coworking ist also faktisch günstiger als das eigene Büro und flexibler (monatlich kündbar).
Der unbezahlbare Faktor: Das Netzwerk (ROI)
Jetzt kommt der Teil, der sich nicht in Excel packen lässt, der aber den Preis rechtfertigt.
Im Homeoffice treffe ich meine Katze.
Im Coworking Space treffe ich andere Unternehmer.
In meiner zweiten Woche stand ich an der Kaffeemaschine. Neben mir ein Typ, der fluchte, weil er keinen Grafiker für seine Website fand.
Ich sagte: „Hi, ich bin Alex. Ich kenne da jemanden.“ (Oder im besten Fall: „Ich bin Grafiker.“).
Wir kamen ins Gespräch.
Drei Wochen später hatte ich über ihn einen neuen Auftrag im Wert von 2.500 Euro.
Dieser eine Auftrag an der Kaffeemaschine hat meine Miete für 6 Monate bezahlt.
Das ist der Return on Invest (ROI) von Coworking. Du bist umgeben von potenziellen Kunden oder Partnern. Das passiert zu Hause nicht.
Steuerlicher Aspekt: Absetzen ohne Diskussion
Wer zu Hause arbeitet, muss sich mit dem Finanzamt streiten: „Häusliches Arbeitszimmer“ (strenge Regeln, eigener Raum, keine private Nutzung) oder „Homeoffice Pauschale“ (gedeckelt auf 6 Euro pro Tag, max. 1.260 Euro im Jahr).
Die Rechnung vom Coworking Space ist dagegen eine voll abzugsfähige Betriebsausgabe.
Die 400 Euro mindern meinen Gewinn und damit meine Steuerlast direkt.
Effektiv (bei 42 % Steuersatz) kostet mich der Platz also nur knapp 230 Euro netto aus eigener Tasche.
Letzten Worte
Für mich war der Schritt raus aus der Wohnung der wichtigste Booster für meine Professionalität.
Ich trenne jetzt wieder: Büro ist Arbeit, Zuhause ist Freizeit.
Ich schlafe besser, ich arbeite konzentrierter.
Meine Empfehlung:
- Wenn ihr unter 1.500 € Umsatz macht: Bleibt zu Hause. Spart das Geld. Nutzt vielleicht Cafés.
- Wenn ihr über 3.000 € Umsatz macht: Probiert es aus. Viele Spaces bieten Probetage an.
Und ob es jetzt das hippe WeWork mit Freibier sein muss oder das bodenständige Regus Center, ist Geschmackssache. Hauptsache, ihr kommt raus aus der Jogginghose.
Wo arbeitet ihr am liebsten? Seid ihr Team „Homeoffice Forever“ oder braucht ihr Menschen um euch herum?