Welche Versicherungen brauche ich als Selbstständiger WIRKLICH? (Und was die Bank beim Kredit sehen will)
Wenn man das Wort „Versicherung“ hört, schaltet das Gehirn ja meistens direkt auf Durchzug. Kenne ich. Man denkt an schmierige Vertreter im billigen Anzug, die einem an der Haustür irgendwelche Policen aufschwatzen wollen, die man nicht versteht und eigentlich auch nicht braucht.
Ich habe das Thema in meinen ersten Jahren als Freiberufler komplett ignoriert. „Wird schon gut gehen“, dachte ich. Bis zu dem Tag, an dem ich wegen einer größeren Anschaffung bei der Bank saß.
Der Berater blätterte durch meine BWA, nickte wohlwollend und fragte dann ganz trocken: „Und Herr Alex, was passiert eigentlich mit dem Kredit, wenn Sie morgen vom Bus überfahren werden oder berufsunfähig sind?“
Schluck. Da war es wieder. Das Risiko.
Heute klären wir mal schonungslos auf, welche Versicherungen ihr als Selbstständige wirklich, also WIRKLICH braucht. Nicht nur um ruhig schlafen zu können, sondern auch, weil ihr ohne manche Policen bei Banken direkt aussortiert werdet.
Der unsichtbare Wächter: Warum Banken Versicherungen lieben
Wir haben ja schon besprochen das Banken nichts mehr hassen als unkalkulierbare Risiken. Ein Angestellter wird krank? Egal, er bekommt 6 Wochen Lohnfortzahlung und danach Krankengeld.Wenn wir krank werden oder einen fetten Fehler machen, der uns in den Ruin treibt, steht die Bank dumm da. Deshalb bestehen viele Kreditinstitute ab einer gewissen Kreditsumme (meistens so ab 25.000 bis 50.000 Euro) auf konkrete Absicherungen.
Die Risikolebensversicherung (RLV) – Der Kredit-Retter
Wenn ihr Geld aufnehmt und eine Familie habt, ist das hier euer bester Freund. Eine Risikolebensversicherung zahlt nur in einem einzigen Fall: Wenn ihr sterbt. Das klingt jetzt makaber, aber das ist für die Bank die ultimative Sicherheit, dass der Kredit getilgt wird, falls ihr ausfallt.
Das Gute: Die RLV ist spottbillig! Wenn ihr jung und gesund seid, kriegt ihr eine Absicherung über 100.000 Euro oft schon für unter 10 Euro im Monat. Wenn die Bank zickt, bietet ihr an, eine RLV zugunsten der Bank abzuschließen. Wirkt Wunder bei der Kreditvergabe!
Das absolute Muss: Die Betriebshaftpflicht
Wenn ihr nur eine einzige Versicherung in eurem ganzen Leben abschließt, dann bitte diese.
Stellt euch vor, ihr seid IT-Berater, stolpert beim Kunden über ein Kabel und reißt den Server-Rack um. Datenverlust, Produktionsstillstand. Schaden: 250.000 Euro.
Oder ihr seid Handwerker und bohrt versehentlich eine Wasserleitung an.
Eure private Haftpflicht zahlt hier keinen Cent. Die deckt nur private Schäden ab. Wenn ihr das in Ausübung eures Gewerbes macht, haftet ihr mit eurem kompletten Privatvermögen. Bis aufs letzte Hemd.
Eine Betriebshaftpflicht kostet je nach Branche oft nur 15 bis 30 Euro im Monat und rettet euch im Zweifel das Leben.
Tipp: Wenn ihr reine Dienstleister seid (z.B. Programmierer oder Berater), braucht ihr oft eine sogenannte Vermögensschadenhaftpflicht. Die greift, wenn ihr jemandem einen finanziellen Schaden zufügt (z.B. durch falsche Beratung), ohne das was kaputt gegangen ist.
Berufsunfähigkeit (BU): Teuer aber dein finanzielles Netz
Jetzt kommen wir zum Schmerzpunkt. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).
Ich sag es ganz ehrlich: Die ist teuer. Richtig teuer. Je nachdem was ihr arbeitet, seid ihr schnell mit 100 bis 200 Euro im Monat dabei. Handwerker zahlen oft noch mehr als Büro-Fritzen wie ich.
Aber warum ist sie so wichtig?
Als Selbstständige fallen wir aus dem staatlichen Raster. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente (falls ihr überhaupt freiwillig in die Rentenkasse einzahlt) ist ein Witz. Wenn euer Arzt sagt: „Alex, dein Rücken ist kaputt, du kannst nie wieder 8 Stunden am Tag am Schreibtisch sitzen“, dann gibt es vom Staat im besten Fall ein Almosen.
Die BU zahlt euch dann eine monatliche Rente, damit ihr eure Miete und – ganz wichtig – eure Kreditraten weiter bezahlen könnt. Ich habe lange gezögert, aber hab dann doch in den sauren Apfel gebissen. Wer sich das absolut nicht leisten kann, sollte sich zumindest mal eine Grundfähigkeitsversicherung (zahlt, wenn man z.B. nicht mehr sehen, gehen oder greifen kann) ansehen. Ist billiger, deckt aber auch weniger ab.
Was ihr (am Anfang) getrost weglassen könnt
Versicherungsvertreter wollen euch immer das „Rundum-Sorglos-Paket“ verkaufen. Das ist aber am Anfang völliger Quatsch, weil es Liquidität frisst.
- Gewerblicher Rechtsschutz: Klar ist es doof, wenn ein Kunde nicht zahlt und man klagen muss. Aber diese Versicherungen sind teuer und haben oft Selbstbeteiligungen. Legt euch lieber etwas Geld aufs Geschäftskonto (Unterkonto!), um im Notfall einen Anwalt für ein erstes Schreiben bezahlen zu können.
- Glasbruch / Elektronikversicherung (Standart): Wenn mir mein Laptop für 2.000 Euro geklaut wird, ist das wahnsinnig ärgerlich. Aber es ruiniert mich nicht. Solche Bagatellrisiken versichere ich nicht. Ich versichere nur Sachen, die mich existenziell bedrohen.
Sparen an der falschen Stelle
Es tut weh, jeden Monat Geld für etwas zu überweisen, von dem man hofft, es nie zu brauchen.
Aber seht es mal aus der Perspektive eurer Firma: Eine Betriebshaftpflicht ist wie das Backup für eure Festplatte. Ihr hofft, ihr braucht es nie, aber wenn der Crash kommt, weint ihr Freudentränen, dass ihr es habt.
Und wie gesagt: Wenn ihr in naher Zukunft einen Business-Kredit plant, räumt vorher eure Versicherungen auf. Ein Banker, der sieht, dass ihr das Thema Risiko auf dem Schirm habt, gibt euch viel lieber Geld als einem Träumer, der denkt, ihm passiert schon nichts.
Wie siehts bei euch aus? Habt ihr eine BU? Oder pokert ihr noch? Lasst es mich wissen!