Factoring für Selbstständige: Mach deine Rechnungen sofort zu Bargeld (und vergiss Mahnungen)

Veröffentlicht am 6. Januar 2026

Hand aufs Herz: Was ist das Nervigste an unserem Job? Richtig, Kunden die sich Zeit lassen.
Du hast den Auftrag erledigt, die Ware ist geliefert, der Kunde ist glücklich. Du schreibst die Rechnung, setzt ein Zahlungsziel von 14 Tagen… und dann passiert: Nichts. Nach 30 Tagen schaust du aufs Konto. Immer noch nichts. Du schreibst eine freundliche Erinnerung. Wieder eine Woche vergeht. Währenddessen wollen deine Mitarbeiter ihr Gehalt, das Finanzamt die Umsatzsteuer und dein Vermieter die Miete.
Du bist also quasi die Bank für deinen Kunden. Aber mal ehrlich: Sind wir Banken? Nein. Wir sind Unternehmer. Unser Geld sollte arbeiten und nicht auf dem Konto von jemand anderem Urlaub machen.
Deshalb schauen wir uns heute das Thema Factoring an. Für viele klingt das nach „großer Konzern-Finanzwelt“, aber mittlerweile ist das auch für uns „Kleinen“ und Mittelständler einer der genialsten Hebel für sofortige Liquidität.

Was zur Hölle ist Factoring eigentlich?

Stell dir vor, du schreibst eine Rechnung über 10.000 Euro. Normalerweise wartest du jetzt 30, 60 oder schlimmstenfalls 90 Tage auf das Geld.
Beim Factoring verkaufst du diese Rechnung an einen Dienstleister (den Factor).

Der Ablauf sieht so aus:

  1. Du erbringst die Leistung und schreibst die Rechnung.
  2. Du lädst die Rechnung beim Factoring-Anbieter hoch.
  3. Der Anbieter überweist dir sofort (meist innerhalb von 24h) ca. 80% bis 90% der Summe.
  4. Der Kunde zahlt später an den Factoring-Anbieter.
  5. Sobald der Kunde gezahlt hat, kriegst du den Restbetrag (abzüglich einer Gebühr).

Das Geniale daran: Du hast das Geld heute. Nicht nächsten Monat. Du kannst damit sofort wieder neue Ware einkaufen und den nächsten Umsatz generieren.

„Aber ist das nicht teuer?“

Das ist das erste, was ich immer gefragt werde. „Alex, warum soll ich Gebühren zahlen für Geld, das mir eh gehört?“
Guter Punkt. Aber lass uns mal rechnen. Die Gebühren liegen oft irgendwo zwischen 1% und 4% der Rechnungssumme (je nach Bonität deines Kunden und Laufzeit).

Klingt erstmal nach Verlust. ABER:

  • Skonto-Effekt: Wenn du durch das schnelle Geld bei deinen Lieferanten Skonto (oft 2-3%) ziehen kannst, hast du die Factoring-Gebühr oft schon wieder drin. Nullsummenspiel!
  • Kein Mahnwesen: Viele Factoring-Anbieter übernehmen auch das Mahnwesen. Du musst dich nicht mehr mit säumigen Zahlern rumärgern. Das spart Nerven und Zeit (und Zeit ist Geld).
  • Ausfallschutz: Beim sogenannten „echten Factoring“ übernimmt der Anbieter sogar das Risiko, wenn der Kunde gar nicht zahlt (Insolvenz). Du darfst das Geld behalten. Versuch das mal bei einem normalen Bankkredit.

Der Geheimtipp: Stilles vs. Offenes Factoring

Viele Unternehmer trauen sich nicht an das Thema ran, weil sie Angst um ihren Ruf haben. „Wenn mein Kunde sieht, dass ich die Rechnung verkaufe, denkt der doch, ich bin pleite!“
Das war früher vielleicht mal so. Heute ist Factoring ein Zeichen von professionellem Finanzmanagement. Aber wenn dir das trotzdem unangenehm ist, gibt es eine Lösung: Stilles Factoring.

  • Offenes Factoring: Auf der Rechnung steht, dass der Kunde bitte an den Factoring-Dienstleister überweisen soll. Er kriegt es also mit.
  • Stilles Factoring: Der Kunde merkt von nichts. Er überweist auf ein Konto, das zwar dir „gehört“, aber im Hintergrund an den Factor verpfändet ist. Du bleibst der Ansprechpartner, dein Image bleibt unberührt, aber das Geld fließt trotzdem sofort.

Für wen lohnt sich das?

Ganz klar: Nicht für jeden.
Wenn du einen Kiosk hast und die Leute bar zahlen, brauchst du das nicht.
Aber Factoring ist Gold wert für dich, wenn:

  1. Du lange Zahlungsziele hast (z.B. im B2B-Bereich, Handwerk, Agenturen).
  2. Du schnell wächst und das Geld für Vorfinanzierung brauchst.
  3. Deine Kunden eine gute Bonität haben (denn die prüft der Factor!).

Liquidität schlägt Rentabilität

Es bringt dir nichts, auf dem Papier reich zu sein, wenn das Konto leer ist. Ich nutze Factoring immer dann gezielt, wenn große Brocken anstehen und ich weiß, dass der Kunde ein „Langsamzahler“ ist. Die paar Prozent Gebühr sind mir der ruhige Schlaf und die Handlungsfähigkeit wert. Probier es mal mit einer einzelnen Rechnung aus. Es gibt mittlerweile viele Fintechs, wo man das ohne Vertragsbindung für Einzelrechnungen testen kann.

Macht was draus und lasst euch nicht warten!