Finom im Faktencheck – was das Fintech für Selbstständige wirklich leisten kann
Was ist Finom überhaupt?
Finom ist ein europäisches Fintech mit Fokus auf Geschäftskonten für Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen.
Der Anbieter kombiniert Banking, Rechnungsstellung und einfache Buchhaltungsfunktionen in einer Plattform.
Wichtig:
Finom ist keine klassische Bank, sondern arbeitet mit lizenzierten Partnerbanken zusammen.
Für wen ist Finom gedacht?
Zielgruppe laut Produktlogik:
- Freelancer
- Solo-Selbstständige
- kleine GmbHs & UGs
- Agenturen mit wenigen Mitarbeitern
Nicht im Fokus:
- kapitalintensive Betriebe
- Unternehmen mit Bargeldgeschäft
- Firmen mit komplexer Finanzierungsstruktur
Welche Funktionen stehen im Mittelpunkt?
Geschäftskonto
- Online-Konto mit deutscher oder europäischer IBAN
- mehrere Unterkonten möglich
- physische & virtuelle Karten
Rechnungen & Ausgaben
- integrierte Rechnungserstellung
- automatische Kategorisierung von Ausgaben
- Belegupload per App
Buchhaltungsnähe
- Export für Steuerberater
- vorbereitende Buchhaltung
- keine vollständige Buchhaltungssoftware
?? Finom ersetzt keinen Steuerberater, reduziert aber Vorarbeit.
Gibt es bei Finom Kredite?
Kurzantwort: eingeschränkt, ja – aber anders als bei Banken.
Finom bietet:
- kurzfristige Liquiditätsfinanzierungen
- kreditähnliche Produkte über Partner
- datenbasierte Bonitätsprüfung (Kontoumsätze)
Nicht angeboten:
- klassische Investitionskredite
- langfristige Finanzierungen
- individuelle Kreditverhandlungen
Typische Volumina:
? 5.000 bis 50.000 €
Wie bewertet Finom Selbstständige?
Finom nutzt keine klassische Schufa-Logik wie Hausbanken.
Entscheidend sind:
- regelmäßige Zahlungseingänge
- Kontohistorie
- Ausgabenstruktur
- Kontostabilität
Vorteil:
Auch junge Selbstständige ohne lange Historie können berücksichtigt werden.
Nachteil:
Unruhige Cashflows führen schnell zu Ablehnung oder niedrigen Limits.
Wo liegen die Stärken von Finom?
- sehr schnelle Kontoeröffnung
- klare, digitale Prozesse
- gute Übersicht über Einnahmen & Ausgaben
- geeignet für mobiles Arbeiten
- geringe Einstiegshürden
Gerade für Solo-Selbstständige ist das oft praktischer als eine klassische Hausbank.
Wo stößt Finom an Grenzen?
- kein Bargeldeinzahlungsservice
- keine komplexen Finanzierungen
- keine persönliche Beratung
- begrenzte Flexibilität bei Sonderfällen
- abhängig von stabilen Kontobewegungen
Sobald:
- Mitarbeiter wachsen
- Investitionen steigen
- Förderkredite relevant werden
… ist Finom allein meist nicht ausreichend.
Typische Einsatzszenarien in der Praxis
Sehr gut geeignet für:
- Start in die Selbstständigkeit
- laufendes Geschäftskonto
- Rechnungsstellung & Übersicht
- kleine Liquiditätsbrücken
Weniger geeignet für:
- Unternehmenswachstum mit hohem Kapitalbedarf
- Branchen mit Vorfinanzierungsdruck
- langfristige Investitionsplanung
Einordnung im Finanzierungsumfeld
Finom wird häufig ergänzend genutzt:
- Finom für Tagesgeschäft & Übersicht
- Hausbank oder Förderbank für größere Kredite
- Leasingpartner für Investitionen
Gerade in Kombination mit Förderprogrammen – etwa über die
KfW – zeigt sich die Trennung klar:
Finom = operativ,
Hausbank = strategisch.
Finom ist kein Kreditinstitut im klassischen Sinn, sondern ein digitales Steuerungs- und Abwicklungstool mit optionaler Kurzfristfinanzierung.
Fazit:
Für Selbstständige, die Übersicht, Geschwindigkeit und einfache Liquidität suchen, ist Finom sinnvoll.
Für alles, was Planung, Volumen und Struktur braucht, bleibt eine zweite Bank unverzichtbar.