Firmenkreditkarten: Dein zinsloser 50-Tage-Kredit (den die meisten verschenken)
Heute reden wir mal über Plastik. Oder Metall, wenn ihr besonders fancy seid. Es geht um das kleine Kärtchen in eurem Portemonnaie, das ihr wahrscheinlich mehrmals die Woche zückt, um Tankfüllungen, Google Ads oder das Geschäftsessen zu bezahlen.
Ich sehe immer wieder, dass Selbstständige hier einen riesigen Fehler machen: Sie nutzen Debitkarten (wo das Geld sofort vom Konto abgeht) oder – noch schlimmer – ihre private Kreditkarte für den Firmeneinkauf.
Dabei ist eine echte Firmenkreditkarte (Business Credit Card) eines der mächtigsten Werkzeuge, um Liquiditätsengpässe zu umschiffen, ohne auch nur einen Cent Zinsen an die Bank zu zahlen.
Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es aber nicht. Ihr müsst nur wissen, wie das Spiel funktioniert.
Debit vs. Credit: Warum „Sofort zahlen“ dumm ist
Schauen wir uns erst mal das Problem an. Die meisten neuen Geschäftskonten (gerade bei den Neobanken wie N26, Kontist etc.) kommen standardmäßig mit einer Debitkarte.
Du kaufst beim Großhändler Ware für 2.000 Euro.
Zack. 2.000 Euro sind sofort von deinem Konto weg. Deine Liquidität sinkt in derselben Sekunde.
Bei einer echten Kreditkarte (Charge Card oder Revolving Card) passiert folgendes:
Du kaufst die Ware. Dein Konto bewegt sich keinen Millimeter.
Erst am Ende des Abrechnungszeitraums (meistens einmal im Monat) wird abgebucht.
Der Liquiditäts-Trick: Das Zahlungsziel nutzen
Jetzt wird es spannend. Gute Business-Karten bieten ein verlängertes Zahlungsziel.
Das bedeutet:
- Du kaufst am 1. des Monats Material.
- Die Abrechnung kommt am 30. des Monats.
- Der Betrag wird aber erst 28 Tage nach Rechnungserhalt vom Konto eingezogen.
Rechnet mal mit: Das sind fast zwei Monate (ca. 58 Tage), in denen du das Geld noch auf deinem Konto hast!
In diesen zwei Monaten hast du die Ware vielleicht schon längst verarbeitet, verkauft und der Kunde hat bezahlt.
Du finanzierst deinen Wareneinkauf also quasi vor, ohne dass du dein eigenes Geld anfassen musst. Und das Beste: Wenn du pünktlich zahlst, kostet dich dieser „Kredit“ 0% Zinsen.
Vergleich das mal mit dem Dispo (Kontokorrent), wo die Banken gerne mal 10% bis 14% Zinsen nehmen, sobald du ins Minus rutschst. Die Kreditkarte ist, clever eingesetzt, ein kostenloser Kurzzeitkredit.
Ordnung ist das halbe Leben (und spart Steuerberater-Kosten)
Neben dem Geld-Faktor gibt es noch den Nerv-Faktor.
Wer privates und geschäftliches vermischt, macht sich (und seinem Steuerberater) das Leben zur Hölle.
„Alex, war die Tankrechnung vom 12. Mai jetzt für den privaten Ausflug an die Ostsee oder die Kundenfahrt nach Hamburg?“
Mit einer reinen Firmenkreditkarte ist die Sache glasklar. Alles, was über diese Karte läuft, ist geschäftlich.
Du exportierst am Monatsende die CSV-Datei, schickst sie an die Buchhaltung, fertig. Keine Zettelwirtschaft, kein „Habe ich das bar bezahlt?“. Das spart Zeit. Und Zeit ist für uns Geld.
Bonus: Warum du fürs Geldausgeben belohnt werden solltest
Das hier ist mein persönlicher Lieblingsteil. Wenn du als Unternehmer im Jahr 50.000 oder 100.000 Euro an Ausgaben hast (Ads, Server, Reisekosten, Ware), warum solltest du das einfach so überweisen?
Viele Kreditkartenanbieter (Amex ist da der Klassiker, aber auch Miles & More oder spezielle Karten der Hausbanken) bieten Bonusprogramme.
Du sammelst Punkte oder Meilen für jeden Euro Umsatz.
Ich kenne Unternehmer, die fliegen einmal im Jahr Business Class in den Urlaub – nur von den Punkten, die sie durch ihre Google-Ads-Ausgaben gesammelt haben.
Oder du lässt dir die Punkte als Cashback auszahlen. Das sind oft nur 0,5% oder 1%, aber hey: Wer schenkt dir sonst einfach so am Jahresende 500 Euro?
Aber Achtung: Die Falle
Natürlich gibt es einen Haken. Eine echte Kreditkarte mit Verfügungsrahmen (Limit) setzt eine gewisse Bonität voraus. Die Anbieter prüfen deine Schufa.mWenn dein Score im Keller ist (siehe mein letzter Artikel!), wirst du wahrscheinlich nur eine Prepaid-Karte bekommen.Die hat zwar den Vorteil der sauberen Trennung der Ausgaben, aber den Liquiditäts-Vorteil („Kredit“) hast du da nicht, da du sie vorher aufladen musst.
Und noch eine Warnung:
Die „Revolving“-Funktion (Teilzahlung).
Manche Karten bieten an, dass du am Monatsende nicht alles zurückzahlst, sondern nur 10% und den Rest in Raten abstotterst.
Macht das nicht!
Die Zinsen bei dieser Ratenzahlung sind oft astronomisch hoch (15% und mehr).
Stellt die Karte so ein, dass immer 100% des Saldos am Fälligkeitstag eingezogen werden. Nur so ist der Kredit kostenlos. Alles andere ist eine Schuldenfalle.
Ein Muss für jeden Profi
Wenn du noch mit deiner privaten EC-Karte an der Kasse stehst und Material für die Firma kaufst: Hör auf damit.
Besorg dir eine vernünftige Firmenkreditkarte.
- Du trennst die Finanzen sauber.
- Du gewinnst bis zu 50 Tage Liquidität.
- Du sammelst vielleicht sogar noch Bonuspunkte.
Es ist eines der einfachsten Puzzleteile, um deine Finanzen professionell aufzustellen. Und wenn du dann doch mal zur Bank musst für den großen Kredit, sieht der Banker in den Umsätzen: „Aha, Kreditkartenabrechnungen werden immer pünktlich bezahlt.“ – Das ist Musik in seinen Ohren.
Bis zum nächsten Mal!