Versicherungsvertreter & Finanzberater – Bonitätsprofil einer provisionsbasierten Berufsgruppe
1. Berufsprofil (banktechnisch)
Versicherungsvertreter und Finanzberater arbeiten überwiegend provisions- und vertriebsabhängig.
Die Tätigkeit kann erfolgen als:
- Einfirmenvertreter
- Mehrfachagent
- Versicherungsmakler
- selbstständiger Finanzberater
Bankeneinstufung:
?? einkommensstark, aber volatil
?? abhängig von Abschlusszyklen
?? geringe materielle Sicherheiten
2. Einnahmenstruktur
Typische Einnahmequellen:
- Abschlussprovisionen
- Bestandsprovisionen (Courtagen)
- Sonderboni / Incentives
Charakteristik:
- stark schwankende Monatseinnahmen
- teilweise hohe Einmalzahlungen
- verzögerte Provisionsauskehr
- Stornohaftung möglich
?? Für Banken zählt nicht die Höhe einzelner Monate, sondern die Glättung über Zeit.
3. Kostenstruktur (relevant für Kreditprüfung)
Fixkosten:
- Büro / Homeoffice
- Fahrzeug
- Versicherungen
- Software & CRM
Variable Kosten:
- Marketing & Leadkosten
- Schulungen / Zertifizierungen
- Reisekosten
Im Vergleich zu anderen Selbstständigen sind die Fixkosten moderat – der Engpass entsteht auf der Einnahmenseite, nicht auf der Kostenseite.
4. Typischer Finanzierungsbedarf
| Anlass | Einordnung |
|---|---|
| Büro & IT | gering |
| Fahrzeug | häufig |
| Marketing / Leads | zentral |
| Liquiditätsreserve | kritisch |
| Überbrückung schwacher Monate | regelmäßig |
Kapitalbedarf: meist 10.000–60.000 €.
5. Kreditwürdigkeit aus Banksicht
Positive Faktoren:
- langfristige Bestandsprovisionen
- Zugehörigkeit zu Vertriebsorganisationen
- stabile Jahresdurchschnitte
- niedrige Fixkosten
Negative Faktoren:
- starke Monatsvolatilität
- Storno- und Rückforderungsrisiken
- Abhängigkeit von Produktgebern
- geringe Sicherheiten
?? Banken bewerten Versicherungsvertreter nicht wie Freiberufler, sondern wie Vertriebsunternehmer.
6. Entscheidungslogik bei Krediten
Bank prüft:
- Durchschnittseinkommen über 24–36 Monate
- Anteil wiederkehrender Provisionen
- Stornoquote
- Abhängigkeit von einzelnen Produktpartnern
- Liquiditätsreserve
Bank ignoriert:
- einzelne sehr gute Monate
- Incentive-Reisen
- Wachstumsversprechen ohne Zahlen
Merksatz:
Ein Vermittler mit konstanten 4.000 € netto ist kreditwürdiger als einer mit 12.000 € Spitzen und 1.500 € Tiefphasen.
7. Geeignete Finanzierungsinstrumente
Betriebsmittelkredit
- zur Glättung von Einkommensschwankungen
- kurze bis mittlere Laufzeiten
Kontokorrent
- als Liquiditätspuffer
- nur diszipliniert einsetzbar
Leasing
- Fahrzeuge, IT
- planbare Raten, geringe Kapitalbindung
Förderdarlehen
- bei Existenzgründung oder Büroaufbau
- teils über Programme der
KfW
8. Häufige Ablehnungsgründe
- zu hohe private Entnahmen in starken Monaten
- keine Rücklagenbildung
- Provisionsstruktur nicht transparent
- Einkünfte laufen über Privatkonto
- hohe Stornoquote
Banken lehnen hier selten den Beruf, sondern die Einkommensführung ab.
9. Typische Fehleinschätzung der Branche
Viele Vermittler gehen davon aus:
„Ich verdiene gut – also bekomme ich Kredit.“
Banken denken:
„Verdienst du gut – oder planbar?“
Diese Diskrepanz ist der häufigste Ablehnungsgrund.
Versicherungsvertreter und Finanzberater sind keine schlechten Kreditnehmer – aber erklärungsbedürftig.
Ihre Kreditwürdigkeit entsteht nicht durch Spitzenumsätze, sondern durch Kontinuität, Rücklagen und Transparenz.
Fazit:
Wer Provisionen wie Unternehmenseinnahmen behandelt – und nicht wie Gehalt – ist finanzierbar.
Wer starke Monate ausgibt und schwache finanziert, nicht.