Commerzbank Kredit für Steuerberater: Meine Erfahrungen zur Kanzleifinanzierung

Veröffentlicht am 19. Februar 2026

Steuerberater gelten als sichere Bank – sind sie aber nicht automatisch

Steuerberater haben planbare Einnahmen. Viele Mandanten zahlen monatliche Pauschalen.
Die Branche ist krisenresistent.
Und trotzdem erlebe ich immer wieder, dass Kanzleiinhaber beim Thema Finanzierung nervös werden.

Warum?
Weil Investitionen groß sind.
Und weil Kanzleiübernahmen schnell hohe Summen bewegen.


Typische Finanzierungssituationen in Steuerkanzleien

Kanzleiübernahme
Digitalisierung & IT-Investitionen
Personalaufbau
Standorterweiterung
Liquidität bei Mandantenwechsel

Eine Kanzleiübernahme kann leicht 300.000 € bis 800.000 € kosten – je nach Mandantenstamm. Das ist kein Kleinkredit.


Warum viele Steuerberater zur Commerzbank gehen

Die Commerzbank ist im Firmenkundengeschäft stark positioniert und betreut viele Freiberufler.
Gerade bei größeren Volumina und strukturierten Finanzierungen wird sie häufig gewäht.
Der Vorteil: Erfahrung mit freien Berufen und mittelständischen Strukturen.


Meine Erfahrungswerte mit Kanzleifinanzierungen

Ich habe mehrere Kanzleiübernahmen begleitet. Und hier sind die Muster klar.

1. Die Mandantenstruktur ist entscheidend

Die Bank schaut nicht nur auf Umsatz – sondern auf Qualität.

Wie stabil sind die Mandanten?
Gibt es Klumpenrisiken?
Wie hoch ist die durchschnittliche Mandatsdauer?

Eine Kanzlei mit 150 stabilen Mittelstandsmandanten wird ganz anders bewertet als eine mit wenigen Großmandanten.


2. Eigenkapital bringt deutlich bessere Konditionen

Je höher der Eigenanteil, desto entspannter wird die Struktur.

Gerade bei Übernahmen wirkt sich das stark auf Zins und Laufzeit aus.

Viele unterschätzen diesen Hebel.


3. Digitalisierung wird positiv bewertet

Kanzleien mit moderner IT-Struktur, digitaler Buchhaltung und klarer Prozessorganisation wirken deutlich professioneller. Das senkt aus Bankensicht das Risiko.

Und das spiegelt sich oft in besseren Konditionen wider.


Ein realistisches Szenario

Ein 35-jähriger Steuerberater übernimmt die Kanzlei seines früheren Chefs. Kaufpreis 600.000 €. Finanzierung über 10–12 Jahre. Die entscheidende Frage ist nicht nur: „Ist der Kaufpreis gerechtfertigt?“
Sondern: „Bleiben die Mandanten nach der Übergabe?“

Hier entscheidet die Qualität der Übergabeplanung.


Der größte Denkfehler bei Kanzleiübernahmen

„Die Mandanten sind treu.“ Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Banken rechnen konservativ. Und das sollte man selbst auch tun. Mandantenabwanderung von 5–10 % in den ersten Jahren ist nicht unrealistisch.

Das muss einkalkuliert werden.


Für wen eine Commerzbank-Finanzierung sinnvoll ist

Sinnvoll für:
Kanzleiübernahmen
Langfristige Investitionen
Strukturierte Wachstumspläne
Digitale Kanzleistrukturen

Weniger geeignet für:
Kurzfristige Liquiditätsprobleme
Unklare Mandantenstruktur
Spekulative Expansion


Steuerkanzleien gehören zu den stabileren Geschäftsmodellen. Aber bei großen Investitionen geht es um strategische Planung, nicht nur um Kreditaufnahme. Eine Finanzierung über eine etablierte Geschäftsbank wie die Commerzbank kann sehr solide sein – wenn Zahlen, Struktur und Übergabeplanung sauber sind. Wer hier emotional entscheidet, riskiert viel.

Wer strukturiert plant, kann langfristig sehr stabil wachsen.