StartGeld im Nebenerwerb: Ich würde zuerst die verfügbare Arbeitszeit durchrechnen

Veröffentlicht am 16. Oktober 2026

Ein Angestelltengehalt kann den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern. Es schafft aber keine zusätzliche Arbeitsstunde. Genau da würde ich als Alex ansetzen, wenn ich einen Kredit für ein nebenberufliches Unternehmen vorbereite: Passt der geplante Umsatz überhaupt in die Zeit, die nach dem Hauptjob noch übrig ist?

Beim ERP-Gründerkredit StartGeld ist Nebenerwerb grundsätzlich vorgesehen. Daraus würde ich jedoch keine persönliche Kreditzusage ableiten. Förderfähigkeit und ein tragfähiger eigener Plan sind zwei verschiedene Prüfungen.

Mein erster Kalender enthält auch die unsichtbare Arbeit

Ich würde nicht sämtliche freien Abende als verkaufbare Zeit behandeln. Angebote schreiben, Rechnungen prüfen, Material beschaffen und Kundenfragen beantworten brauchen ebenfalls Platz. Dazu kommen Urlaub, Krankheit und Wochen, in denen der Hauptberuf mehr Aufmerksamkeit verlangt.

Meine Planung bekäme deshalb drei Spalten: tatsächlich verfügbare Stunden, davon produktiv einsetzbare Stunden und davon realistisch abrechenbare Stunden. Diese Trennung wirkt zunächst streng. Sie verhindert aber, dass die geplante Kreditrate von einer Auslastung abhängt, die schon im Kalender unmöglich ist.

Ein Auftrag blockiert mehr als seinen Ausführungstermin

Bei einem Wochenendprojekt würde ich auch Vorbereitung und Nacharbeit zuordnen. Eine zweite Buchung am selben Wochenende kann rechnerisch attraktiv aussehen und praktisch trotzdem scheitern. In meinen Unterlagen stünde daher, welche Aufträge gleichzeitig möglich sind und wann eine Kapazitätsgrenze erreicht wird.

Das Gehalt würde ich getrennt vom Betriebsumsatz ausweisen

Für mich wäre eine saubere Darstellung entscheidend: Welche laufenden privaten Kosten deckt das Gehalt? Welcher Betrag bleibt danach tatsächlich frei? Und soll dieser Rest den Betrieb regelmäßig unterstützen oder nur eine begrenzte Anlaufphase überbrücken?

Ich würde private Unterstützung ausdrücklich benennen und zeitlich begrenzen. Sonst sieht ein Unternehmen in der Planung zahlungsfähig aus, obwohl seine laufenden Ausgaben dauerhaft aus dem Hauptjob bezahlt werden. Der Unterschied gehört auf den Tisch, bevor eine zusätzliche Rate vereinbart wird.

Vom Förderprogramm zum eigenen Zahlungsplan

StartGeld kann Investitionen und laufende Kosten eines jungen Unternehmens finanzieren. Für das Gespräch würde ich die Ausgaben trotzdem einzeln auflisten: Was wird einmalig gekauft, was fällt monatlich an und was steigt erst mit jedem Auftrag? Die Programmbeschreibung ersetzt diese Zuordnung nicht.

Außerdem würde ich Zahlungstermine statt bloßer Monatsumsätze eintragen. Eine am Monatsende geschriebene Rechnung steht möglicherweise erst später auf dem Konto. Bis dahin müssen bereits fällige Kosten aus vorhandener Liquidität bezahlt werden können. Ein voller Auftragskalender allein löst dieses Problem nicht.

Meine zweite Rechnung beginnt mit weniger Aufträgen

Ich würde einen vorsichtigeren Verlauf danebenstellen: längere Kundengewinnung, einzelne abgesagte Termine und später eingehende Zahlungen. Dabei geht es mir nicht um eine dramatische Krisenprognose. Ich möchte erkennen, ab wann ich Ausgaben verschieben oder den Umfang des Vorhabens verkleinern müsste.

Was ich vor dem Banktermin festhalten würde

Mein Paket bestünde aus Geschäftsmodell, Zeitplan, nachvollziehbaren Preisen und einem Zahlungsplan mit Anlaufreserve. Die KfW verlangt den Antrag beim Finanzierungspartner vor Beginn des Vorhabens; den Businessplan würde ich zum Gespräch mitbringen. Den konkreten Zeitablauf würde ich vor verbindlichen Bestellungen klären lassen.

Mein nächster Schritt wäre deshalb klein und konkret: eine gewöhnliche Arbeitswoche aufschreiben und jede betriebliche Aufgabe darin unterbringen. Erst wenn diese Woche plausibel aussieht, würde ich die dazu passende Finanzierung besprechen. Ein erreichbarer Umsatz ist mir dabei mehr wert als ein besonders optimistisches Tabellenblatt.

Die private Seite vertiefe ich im Beitrag zu Privatentnahmen und dem wirklich freien Betrag. Diese Gegenrechnung würde ich auch bei einem zunächst kleinen Nebenerwerb ergänzen.