Versicherungsvertreter & Finanzberater – Bonitätsprofil einer provisionsbasierten Berufsgruppe

Veröffentlicht am 9. Februar 2026

1. Berufsprofil (banktechnisch)

Versicherungsvertreter und Finanzberater arbeiten überwiegend provisions- und vertriebsabhängig.
Die Tätigkeit kann erfolgen als:

  • Einfirmenvertreter
  • Mehrfachagent
  • Versicherungsmakler
  • selbstständiger Finanzberater

Bankeneinstufung:
?? einkommensstark, aber volatil
?? abhängig von Abschlusszyklen
?? geringe materielle Sicherheiten


2. Einnahmenstruktur

Typische Einnahmequellen:

  • Abschlussprovisionen
  • Bestandsprovisionen (Courtagen)
  • Sonderboni / Incentives

Charakteristik:

  • stark schwankende Monatseinnahmen
  • teilweise hohe Einmalzahlungen
  • verzögerte Provisionsauskehr
  • Stornohaftung möglich

?? Für Banken zählt nicht die Höhe einzelner Monate, sondern die Glättung über Zeit.


3. Kostenstruktur (relevant für Kreditprüfung)

Fixkosten:

  • Büro / Homeoffice
  • Fahrzeug
  • Versicherungen
  • Software & CRM

Variable Kosten:

  • Marketing & Leadkosten
  • Schulungen / Zertifizierungen
  • Reisekosten

Im Vergleich zu anderen Selbstständigen sind die Fixkosten moderat – der Engpass entsteht auf der Einnahmenseite, nicht auf der Kostenseite.


4. Typischer Finanzierungsbedarf

AnlassEinordnung
Büro & ITgering
Fahrzeughäufig
Marketing / Leadszentral
Liquiditätsreservekritisch
Überbrückung schwacher Monateregelmäßig

Kapitalbedarf: meist 10.000–60.000 €.


5. Kreditwürdigkeit aus Banksicht

Positive Faktoren:

  • langfristige Bestandsprovisionen
  • Zugehörigkeit zu Vertriebsorganisationen
  • stabile Jahresdurchschnitte
  • niedrige Fixkosten

Negative Faktoren:

  • starke Monatsvolatilität
  • Storno- und Rückforderungsrisiken
  • Abhängigkeit von Produktgebern
  • geringe Sicherheiten

?? Banken bewerten Versicherungsvertreter nicht wie Freiberufler, sondern wie Vertriebsunternehmer.


6. Entscheidungslogik bei Krediten

Bank prüft:

  • Durchschnittseinkommen über 24–36 Monate
  • Anteil wiederkehrender Provisionen
  • Stornoquote
  • Abhängigkeit von einzelnen Produktpartnern
  • Liquiditätsreserve

Bank ignoriert:

  • einzelne sehr gute Monate
  • Incentive-Reisen
  • Wachstumsversprechen ohne Zahlen

Merksatz:
Ein Vermittler mit konstanten 4.000 € netto ist kreditwürdiger als einer mit 12.000 € Spitzen und 1.500 € Tiefphasen.


7. Geeignete Finanzierungsinstrumente

Betriebsmittelkredit

  • zur Glättung von Einkommensschwankungen
  • kurze bis mittlere Laufzeiten

Kontokorrent

  • als Liquiditätspuffer
  • nur diszipliniert einsetzbar

Leasing

  • Fahrzeuge, IT
  • planbare Raten, geringe Kapitalbindung

Förderdarlehen

  • bei Existenzgründung oder Büroaufbau
  • teils über Programme der
    KfW

8. Häufige Ablehnungsgründe

  • zu hohe private Entnahmen in starken Monaten
  • keine Rücklagenbildung
  • Provisionsstruktur nicht transparent
  • Einkünfte laufen über Privatkonto
  • hohe Stornoquote

Banken lehnen hier selten den Beruf, sondern die Einkommensführung ab.


9. Typische Fehleinschätzung der Branche

Viele Vermittler gehen davon aus:
„Ich verdiene gut – also bekomme ich Kredit.“

Banken denken:
„Verdienst du gut – oder planbar?“
Diese Diskrepanz ist der häufigste Ablehnungsgrund.


Versicherungsvertreter und Finanzberater sind keine schlechten Kreditnehmer – aber erklärungsbedürftig.
Ihre Kreditwürdigkeit entsteht nicht durch Spitzenumsätze, sondern durch Kontinuität, Rücklagen und Transparenz.

Fazit:
Wer Provisionen wie Unternehmenseinnahmen behandelt – und nicht wie Gehalt – ist finanzierbar.
Wer starke Monate ausgibt und schwache finanziert, nicht.